Donnerstag, 27. April 2017

[Rezension] Linda Schipp - Memories to do, Allies Liste

Verlag: Drachenmond
Reihe: /
Seiten: 296
Kauf: Kindle - Taschenbuch

Inhalt

In ein Schwimmbad einbrechen, zu einem Candle-Light-Dinner ausgeführt werden, mich an meine Hochzeit erinnern ... Eine seltene Form von Amnesie hat Allies Erinnerungen an die vergangenen 17 Jahre ausgelöscht. Im Herzen noch ein Teenager steht sie ahnungslos vor ihrem zweijährigen Sohn, einem Ehemann, den sie nicht liebt, siebenhundert unbekannten Facebook-Freunden und einem verdächtig dunklen Nebel, der sich über ihre Vergangenheit zieht. Im Leben der 34-jährigen Allie ist nichts mehr von dem übrig, was ihr als Teenager wichtig war nicht einmal ihr Name. Um den Geheimnissen der geschwärzten siebzehn Jahre auf die Spur zu kommen, reist sie zurück in die amerikanische Kleinstadt, in der ihre Erinnerungen enden. An ihrer Seite der Mensch, der ihr am nächsten und nach jahrelanger Trennung am fernsten zugleich ist: Luis. Nur ein Freund, wirklich. Ihr bester Freund. Damals zumindest.

Meine Meinung

Geschichte

Romane über Gedächtnisverlust: Ein heikles Thema, denn die wenigsten haben es selbst erlebt und wissen, wie es sich anfühlt. Doch in diesem Buch hatte ich das Gefühl, dass die Autorin den Nerv getroffen hat.
Allie ist ein spezieller Patient. Zwei Unfälle hatte sie, im Abstand von 17 Jahren. Zweimal im Koma lag sie. Schon eine ordentliche und eher unwahrscheinliche Situation in einem einzigen Leben. Nachdem sie aufwacht fehlen Allie genau die siebzehn Jahre zwischen den Unfällen. Sie versucht ihr Leben zu rekonstruieren, fühlt sich jedoch dabei wie siebzehn und nicht wie 34. Das führt dazu, dass auch ihre Gefühle die der siebzehnjährigen sind, doch ihr 34-jähriges Ich ist sich mit ihr einig. So kommt es dazu, dass man eine seichte, schöne Liebesgeschichte erwartet. Doch durch Allies Mann weiß man sofort, dass die Geschichte nicht so seicht wird, wie vermutet. Zudem hat Allie wichtige Dinge vergessen. Die Vergangenheit aufzuarbeiten ist immer schwer und ich liebe es, Charaktere in ihre Vergangenheit zu begleiten. Allie sucht altbekannte Orte und Freunde auf und setzt sich ihre Vergangenheit Stück für Stück zusammen. Die ganze Geschichte über versucht man selbst diese Teile zusammen zu setzen und herauszufinden, was denn das "Ding" ist, welches ihr verschwiegen wird.
Das Buch ist realistisch geschrieben. Ich konnte mich in Allie hinein fühlen. Ein perfektes Zusammenspiel aus der Akzeptanz des neuen Lebens und der Verzweiflung, dass alte nicht mehr zu kennen.
Ich kann an dieser Stelle gar nicht soviel zum Roman selbst erzählen, da mit der Beschreibung "tiefgründig" schon alles zusammengefasst ist. Man lässt sich auf eine Reise ein, reflektiert auch das eigene Leben, stellt sich zig Fragen über einen selbst. Man wünscht der Protagonistin ein Happy End, leidet und freut sich mit ihr. Am Schönsten fand ich den Schreibstil, der so glaubwürdig rüber kam. Keine unrealistischen Streitereien, Gespräche oder sonstiges. Ein Herzensroman.

Charaktere

Allie kam mir oft gar nicht vor wie 34. Kein Wunder, denn sie ist in ihrem 17-jährigen Ich stecken geblieben und oft fand ich superschön zu lesen, wie frei sie das macht, obwohl sie ja eigentlich älter ist. Ohne die Last vieler Jahre ist man unbefangener, es gibt weniger zu verarbeiten.
Auch Luis hatte ich auf Anhieb gerne. Optisch scheint er ein klischeehafter Bundi zu sein. Kurzes Haar, stämmige Figur. Doch tief in ihm drin sind tiefe Gefühle verborgen. Aber auch düstere und Geheimnisse. Und auch mir viel es schwer ihn bis Ende zu durchschauen.

Schreibstil & Sichtweise

Das Buch ist tiefgründig und mitreißend geschrieben. Man leidet mit Allie, man freut sich mit Allie. Die Geschichte bleibt eher auf einem seichten Level. Süße, kleine, schöne Momente erfreuen den Leser. Überschattet von dem finalen Ende, welches Allie, sowie den Leser in Zwiespalt bringt und nachdenklich stimmt. Die Autorin lockt gekonnt die Gefühle hervor und fokussiert sich aufs Wesentliche.
Geschrieben ist das Buch aus Allies Sicht in der dritten Person.

Zitat 

"Mann muss versuchen, zu Lebzeiten Tausend und Abertausende Erinnerungen zu sammeln. Damit man später einmal von ihnen zehren kann." 
Position 4749

Fazit

Ein Herzensroman, der ein tiefgründiges Thema beleuchtet, welche wohl kaum jemand nachvollziehen kann. Dennoch wirkt es, als steckte die Autorin mittendrin. Die Geschichte wirkte real, nahm einen mit, brachte die Emotionen zum kochen. Die Idee mit der Liste ist wunderbar.


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